Hotelmarkt Bayern: Voralpen mit großem Potenzial für neue Hotels

Quelle: “Top hotel“, 07. Oktober 2010

Bayern ist nach wie vor eine Top-Reisedestination: Schloss Neuschwanstein, Chiemsee, Wandern in den Alpen, Radeln an der Isar: Ostallgäu, Tölzer Land, Chiemsee-Alpenland und Chiemgau erfreuen sich bei Touristen großer Beliebtheit. Doch das bestehende Hotelangebot wird der Nachfrage aus dem internationalen Tourismusgeschäft nicht gerecht, heißt es in einer auf der Immobilienmesse „Expo Real“ vorgestellten Studie. Standortanalysen belegen: Spezialisierte Vier-Sterne-Hotels als auch Markenhotels gibt es in den bayerischen Alpen zu wenig. Vier Regionen haben reagiert. Sie bieten Projektentwicklern ein internationales Tagungshotel in Füssen an, ein Wellness- und Sporthotel in Bad Tölz, ein Familienhotel im Chiemsee-Alpenland und das Parkresort in Ruhpolding.

Zimmer frei
In den bayerischen Voralpen fehlen vor allem Vier-Sterne- und Markenhotels, sagt eine Studie. Setzen große Hotelbau-Projekte die mittelständische Hotellerie zusätzlich unter Druck?

„Die Gästeankünfte sind seit 2006 bis heute kontinuierlich gestiegen“, sagte Stefan Nungesser, Senior Consultant der Treugast Solutions Group. Die Zahl der Gästeübernachtungen hingegen nimmt nicht so stark zu. „Das hat vor allem mit der Aufenthaltsdauer zu tun, die tendenziell schon seit längerem zurückgeht. Mehr Kurz- und Wochenendurlaube tragen dazu bei“, erklärte Nungesser. Der Trend zum Urlaub im eigenen Land ist nach wie vor stark. Doch eine Studie des Bayerischen Wirtschaftsministeriums aus dem Jahr 2007 zeigt noch einen anderen Grund auf: In den bayerischen Regionen offenbart sich ein massiver Investitionsstau. Den konnten auch Förderprogramme bis heute nicht gänzlich beheben, so der Berater. Die Marktbeobachtungen der Treugast-Hotelexperten zeigen: Zudem sind viele Hotels schon auf Grund ihrer Größe schwer vermarktbar, da sie über zu wenige Zimmer verfügen. Darüber hinaus ist in vielen Betrieben die Nachfolge nicht geregelt. Auch Marken- und Kettenhotels sind hier seltener zu finden als in den Städten. Für die Vermarktung der Regionen sind jedoch qualitativ hochwertige und ausreichend große Hotels notwendig, um mit Reiseveranstaltern entsprechende Verträge abschließen zu können.

Das Potenzial ist vorhanden. Das belegen die Zahlen des Bayerischen Landesamtes für Sta-tistik für Januar bis Mai 2010: Die Gesamtzahl der Ankünfte in Bayern stieg um 5,5 Prozent, die der Übernachtungen um 3,5 Prozent, jeweils im Vergleich zum Vorjahreszeitraum. Die Ankünfte der ausländischen Gäste stiegen um 11,8 Prozent, ihre Übernachtungen um 10,3 Prozent. Vor allem die Gäste aus Amerika, Asien und Australien brachten überdurchschnittliche Zuwächse.

Auf Initiative der „Europäischen Metropolregion München“ wurden nun vier konkrete Projekte vorgestellt, mit denen Angebotslücken geschlossen werden solen. Verwaltungsdirektor Wolfgang Kühnl aus dem Ostallgäu präsentiert ein rund 10 000 Quadratmeter großes Grundstück am Forggensee, das an das Festspielhaus Füssen angrenzt. „Wir planen dafür ein internationales Tagungshotel.“ Denn Kühnl erhält immer wieder Anfragen von großen Firmen, die Tagungen im Ostallgäu, „dem Land des Märchenkönigs“ abhalten möchten. Die müssten sie zur Zeit oft auf den Raum München verweisen. Die Verkehrsanbindung über die A7 ist ideal, Neuschwanstein und Hohenschwangau sind touristische Highlights und die Regi-on ist ein starker Wirtschaftsstandort, berichtet der Verwaltungsdirektor.

Bad Tölz orientiert sein Angebot an Freizeitreisenden: „Wir möchten uns als Wellnessregion positionieren“, sagt Dr. Andreas Wüstefeld, Fachbereichsleiter Tourismus aus dem Landkreis Bad Tölz-Wolfratshausen. Dafür bietet die Stadt ein 10 000 Quadratmeter großes stück für ein Wellness- und Sporthotel an. Die Region hat viel zu bieten, sagt Wüstefeld: Der Kurort Bad Tölz punktet mit rund 500 Kilometer Radwegen und dem neu eröffneten Heilklima-park. Er ist nach eigenen Angaben der größte dieser Art in Deutschland. Die Verkehrsanbin-dung ist optimal. Wüstefeld: „Wie eine Spinne im Netz“ ist Bad Tölz überregional eingebunden. Trotzdem finden Gäste die Ruhe für einen erholsamen Aufenthalt. „Unsere Erfahrung zeigt, dass Umfeld und natürliche Umgebung für die Spezialisierung auf Wellness und Sport stim-men müssen“, sagt Stefan Nungesser. Das ist bei diesem Projekt der Fall.

Die Gemeinde Oberaudorf präsentierte sich als Standort für ein Familien- und Sporthotel. Mit einem Familienskigebiet, guten Voraussetzungen für Wanderungen und Radfahrtouren ist der Luftkurort für sportliche Familien ideal. Das ist das Fazit zahlreicher Untersuchungen und Masterpläne, sagt Bürgermeister Hubert Wildgruber. „Das Areal ist Gemeindeeigentum und wir kommen einem Investor sehr entgegenkommen, wenn das Projekt in unser Konzept passt.“

Die Region Chiemgau ist bereits einen Schritt weiter. Sie plant ein Multifunktionsresort mit 178 Zimmern, einem Wellness- und Medical-Care-Bereich sowie Eventcenter. „Der Betreiber für das Parkresort in Ruhpolding steht bereits fest“, verkündet Michael Lücke, Geschäfts-führer Chiemgau Tourismus. „Jetzt fehlt uns nur noch ein Investor.“ Das Grundstück ist voll erschlossen und gehört der Gemeinde. „Auch die Bevölkerung in Ruhpolding steht hinter dem Projekt“, versichert Lücke. Ruhpolding ist mit rund 670.000 Übernachtungen pro Jahr der mit Abstand größte Tourismusmagnet im gesamten Chiemgau. Der Golfclub zählt zu den Top Ten in Deutschland. Treugast Berater Stefan Nungesser: „Für ein Projekt ist es wichtig, dass ins-besondere die verschiedenen Angebote konzeptionell ineinandergreifen. Das schafft einen Mehrwert, den andere Hotels nicht so schnell nachahmen können.“

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